Was lernt mein Kind über Sexualität?
Was lernt mein Kind über Sexualität?
Die Pädagogik hinter dem Rahmenkonzept
Die eigentliche Frage ist nicht, welche Autoren im Rahmenkonzept genannt werden. Entscheidend ist vielmehr, auf welchem pädagogischen Modell das Rahmenkonzept beruht. Namen können sich ändern – die pädagogischen Grundannahmen bleiben bestehen.
1. Was ist die sogenannte „Sexuelle Bildung“?
Das Rahmenkonzept verwendet bewusst den Begriff „Sexuelle Bildung“.
Es spricht nicht von Sexualaufklärung oder Sexualpädagogik, sondern erklärt ausdrücklich:
„Im Übrigen sprechen wir in diesem Rahmenkonzept bewusst von Sexueller Bildung und ersetzen damit engführende Begriffe wie Sexualaufklärung oder Sexualpädagogik. Wir verstehen … Sexuelle Bildung in einem ganzheitlichen Ansatz.“
(Rahmenkonzept, S. 9)
Die „Sexuelle Bildung“ verfolgt nicht nur das Ziel, Wissen über den menschlichen Körper zu vermitteln.
Das Konzept wurde ursprünglich von Karl-Heinz Valtl entwickelt und später von Vertretern der Sexualpädagogik der Vielfalt, insbesondere von Uwe Sielert, weiterentwickelt.
Ihr Ziel besteht nicht nur darin, biologische Inhalte zu vermitteln, sondern die Sexualität, das sexuelle Empfinden und die sexuelle Ansprechbarkeit des Menschen zu fördern.
„‚Sexuelle Bildung‘ soll zudem nicht nur grundlegende Kompetenzen fördern, sondern Sexualität, sexuelles Empfinden und die sexuelle Ansprechbarkeit sollen auf allen Ebenen gefördert werden, um so sexuelle Glücksmöglichkeiten zu eröffnen.“
Darüber hinaus setzt dieses Modell auf offene Gespräche, altersgerechte Bildmaterialien, Texte, Filme, interaktive Spiele und Übungen als Bestandteil des pädagogischen Prozesses.
2. Der Grundgedanke dieser Pädagogik
Die „Sexuelle Bildung“ beruht auf einem bestimmten Menschen- und Sexualitätsverständnis.
Einer ihrer grundlegenden Leitsätze lautet:
„Der Mensch ist von Beginn an ein sexuelles Wesen.“
Das bedeutet, dass Sexualität nicht erst mit der Pubertät beginnt, sondern als Dimension verstanden wird, die den Menschen von Anfang an begleitet und seine gesamte Persönlichkeitsentwicklung prägt.
Das Rahmenkonzept übernimmt außerdem die Definition von Sexualität nach Uwe Sielert, der sie beschreibt als:
„… allgemeine Lebensenergie, die sich des Körpers bedient, aus vielfältigen Quellen gespeist wird, ganz unterschiedliche Ausdrucksformen kennt und in verschiedenster Hinsicht sinnvoll ist.“
(Rahmenkonzept, S. 16)
Dieses Verständnis bildet die Grundlage für das gesamte pädagogische Konzept der „Sexuellen Bildung“.
3. Woher stammt diese Pädagogik?
Die „Sexuelle Bildung“ gehört zu einer bestimmten Strömung der deutschen Sexualpädagogik.
Das Rahmenkonzept erklärt ausdrücklich:
„Das Rahmenkonzept klärt im ersten Kapitel den zugrunde liegenden Sexualitätsbegriff und stützt sich dabei unter anderem auf den Sexualwissenschaftler Uwe Sielert.“
(Rahmenkonzept, S. 9)
Uwe Sielert entwickelte dieses Modell innerhalb der Sexualpädagogik der Vielfalt weiter.
Seine Arbeit knüpft an die Ideen von Helmut Kentler an, einer der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Sexualpädagogik.
Kentler vertrat öffentlich Positionen zur kindlichen Sexualität, die heute weithin abgelehnt werden. Darüber hinaus dokumentierten spätere historische Untersuchungen zum sogenannten Kentler-Experiment, dass über viele Jahre hinweg Kinder und Jugendliche unter staatlicher Fürsorge gezielt bei Männern mit pädophiler Neigung untergebracht wurden. Diese Entscheidungen wurden von Kentler mit seinen pädagogischen Vorstellungen begründet und führten zu schwerem Missbrauch der betroffenen Kinder.
Diese Vorgänge sind durch wissenschaftliche und historische Untersuchungen dokumentiert und gelten heute als einer der schwerwiegendsten Skandale der deutschen Nachkriegspädagogik.
Unsere Sorge richtet sich daher nicht gegen eine einzelne Person, sondern gegen pädagogische Grundannahmen, die aus derselben Denktradition hervorgegangen sind und später von anderen Autoren – unter anderem Uwe Sielert – weiterentwickelt wurden.
Selbst wenn der Name Uwe Sielert künftig aus dem Rahmenkonzept entfernt würde, bliebe die entscheidende Frage bestehen, solange die pädagogischen Grundlagen unverändert bleiben.
4. Welche Folgen hat diese Pädagogik in der Schule?
Jede Pädagogik beruht auf einem bestimmten Menschenbild.
Im vorliegenden Fall übernimmt das Rahmenkonzept ein Verständnis von Sexualität, das den gesamten Bildungsprozess prägt.
Daraus folgt:
- Sexualität wird nicht mehr auf wenige Unterrichtseinheiten im Biologieunterricht beschränkt.
- Sie wird als Bestandteil der gesamten Persönlichkeitsentwicklung verstanden.
- Sie wird bereits in den ersten Schuljahren thematisiert.
- Es kommen offene Gespräche, altersgerechte Bildmaterialien, Texte, Filme, interaktive Spiele und Übungen zum Einsatz.
- Themen wie Identität, Vielfalt und zwischenmenschliche Beziehungen werden fächerübergreifend behandelt.
Damit verändert sich nicht nur der Unterrichtsinhalt.
Es verändert sich das gesamte Verständnis von Sexualität, Kindheit und menschlicher Entwicklung.
5. Warum macht uns das als Eltern Sorgen?
Als Eltern sehen wir hierin einen grundlegenden Paradigmenwechsel.
Kindheit wird nicht mehr in erster Linie als schutzbedürftige Lebensphase verstanden, sondern von Beginn an unter einer sexualpädagogischen Perspektive betrachtet.
Uns sorgt insbesondere,
- dass Kinder bereits in jungen Jahren mit sexuellen Themen konfrontiert werden,
- dass das natürliche Schamgefühl als Schutz der Intimsphäre geschwächt werden kann,
- dass sexuelle Exploration Bestandteil des pädagogischen Prozesses wird,
- und dass die Schule zunehmend Aufgaben übernimmt, die nach unserer Überzeugung in erster Linie den Eltern zukommen.
Wir sind überzeugt:
Der beste Schutz von Kindern besteht nicht darin, sexuelle Inhalte immer früher zu vermitteln, sondern ihre natürliche Entwicklung zu achten, ihre Intimsphäre zu schützen, das Schamgefühl zu stärken und sie entsprechend ihrem Alter und ihrer Reife zu begleiten.